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Landesarchiv Schleswig-Holstein
Beständeübersicht

Preußische Verwaltung 1867 bis 1946

Abt. 377: Provinzial-Pflegeanstalt bei Neustadt in Holstein

Geschichte

Die Gründung der Provinzial-Pflegeanstalt bei Neustadt in Holstein resultierte aus dem preußischen Gesetz über den Unterstützungswohnsitz vom 11. Juli 1893. Danach waren die Landarmenverbände der preußischen Provinzen verpflichtet, zur Pflege und Behandlung geistig Behinderter geeignete Anstalten einzurichten. Da die Kapazität der sogenannten Irrenanstalt zu Schleswig erschöpft war, erwarb der Provinzialausschuss auf Anregung des Provinzial-Landtagsabgeordneten und Cismarer Landrats von Dewitz das Gelände der in Konkurs gegangenen Neustädter Zuckerfabrik, wo am 1. Oktober 1893 der Neubau der Provinzial-Pflegeanstalt eröffnet werden konnte. Bereits in den Jahren 1897 bis 1900 wurde die Kapazität der Pflegeanstalt erheblich ausgeweitet. So entwickelte sich die als Schleswiger Filiale konzipierte Neustädter Pflegeanstalt zur zweiten großen Anstalt in der Provinz. Deren Umbenennung in "Provinzial-Irrenanstalt" im Frühjahr 1905 betonte diesen Status. Am 27. März 1914 verfügte der Provinzial-Landtag die Umbenennung der Neustädter Anstalt in "Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt". Im Jahr 1941 wurde die Neustädter Landesheilanstalt als Ausweichkrankenhaus für den norddeutschen Raum hergerichtet, nachdem ein großer Teil der Patienten nach Verlegung in andere Anstalten durch die nationalsozialistischen Euthanasiemaßnahmen ums Leben gekommen war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte der Ausbau der Neustädter Anstalt zu einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, das seit dem 1. Juni 1978 auch für die Behandlung von Suchtkranken genutzt wurde. Nach dem Gesetz über die Errichtung öffentlich-rechtlicher Fachkliniken änderte sich die Rechtsform zum 1. Januar 1996 in die einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Diese wurde zum 1. November 1998 umbenannt in Ostseezentrum für seelische Gesundheit. Im Jahre 2003 fusionierte das Ostseezentrum mit dem ehemaligen Landeskrankenhaus Heiligenhafen zum sogenannten Psychiatrium Neustadt, welches 2004 durch Verkauf an die Schweizer Ameos-Gruppe privatisiert wurde.

Summarische Angaben zum Inhalt

Akten einzelner Patienten; Verlegungslisten von Patienten in andere Anstalten während des Jahres 1941.

Umfang 10 lfm | Laufzeit 1893-1958

Hinweis auf andere Bestände

Akten der sogenannten Irrenanstalt zu Schleswig befinden sich in Abt. 64.1 (siehe Bestandsgruppe "Schleswig-Holstein insgesamt").